Die Angst vor der Nacht

die angst vor der nacht kommt langsam mit der dämmerung von unten nach oben in meinen körper und manchmal bis in mein bewusstsein gekrochen. dann höre ich nicht hin, aber doch ist sie da. die erleichterung, dass der tag überstanden ist, kann sich kaum ausbreiten, schon zieht und zerrt die leere beständig von unten an mir. sie knabbert und schmatzt. plötzlich ist sie da und vom tag ist nichts mehr übrig, er wird gar unvorstellbar.

er sitzt ruhig und aufrecht in der mitte des raumes und atmet: ein – – aus – – ein – – aus – – da ! sie kommt ! nein, sie ist schon da ! chchchchch. scheuernd-schabend und hinterlistig kriecht die nacht langsam näher, in den tag hinein. beinahe unbemerkt schlängelt sie sich voran. er kann sie riechen. alles steht still. starr der körper im außen, innen schießt plötzliche aufmerksamkeit wie feuer durch jede faser. unbeweglich. nur die augen halten beständig ausschau, wollen jedes detail erfassen. suchen angestrengt nach halt, nach einem ende dieser grausamkeit. der atem kehrt langsam zurück und nur mit großer vorsicht.
ist es erlaubt mich zu bewegen ? was ist da in der dunkelheit ? er rührt sich nicht, denn er will die leere nicht berühren, sie nicht spüren oder anstoßen, will ihr echo nicht hören, das wie ein schlag alle knochen erschüttert.
sein gesicht verzerrt sich. es zieht sich nach innen. so, wie alles versucht, sich immer tiefer nach innen zu ziehen, die muskeln, die haut, die sehnen und adern, alles strebt nach innen. selbst die knochen versuchen noch sich in sich zu verkriechen, kleiner zu werden, sich hinter sich zu verstecken.
der tag erinnert sich an den atem, er ist noch spürbar: flach, zart, kraftlos, wie ein hecheln bewegt er sich niedergedrückt voran.

›hey, nacht !‹, sagt der tag ›hast du eigentlich schon gehört, dass es uns beide nicht gibt ?‹. die nacht horcht auf, sowas hat ihr noch niemand gesagt ! es solle sie nicht geben ? sie, die unaufhörliche, finstere nacht ? ein fragendes gesicht sieht der tag nun in der nacht und lacht.

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