schreibübung zum thema ›welt‹

500g dinkelmehl, ein halbes kilo – so viel ist das gar nicht. weiß und braun, weil vollkorn, fällt es aus der papierverpackung, die genau diese menge beinhalten soll, in eine schüssel. der erste teil wird zwar mit folgsamer geduld durch ein kleines sieb geklopft und gerüttelt, doch der große rest landet mit einem schwupp in der mitte der schüssel.
finger streichen nun wie ein grobes sieb durch die leichte, kühle mehlmasse, durchforschen es fürsorglich nach klumpen um dem anspruch ›in eine schüssel gesiebt‹ doch noch in einer abgewandelten form und guten willen zeigend, nachzukommen. dann formen die hände eine mulde, die den boden der schüssel jedoch nicht berühren darf, und füllen diese vorsichtig von oben mit lauwarmem wasser. kleine hefeklumpen von ungewohnter konsistenz plumpsen von den fingern zermahlen dazu, salz und zucker wird darübergestreut.
mit diesem ersten schritt zufrieden und gespannt auf das weiter, tauchen die finger vorsichtig in das warme wasser, fassen nach dem umliegenden mehl und beginnen die bestandteile zu vermengen. immer mehr des mehls kommt dazu bis alles in unförmigen brocken an den fingern klebt. jetzt nicht aufgeben ! also geht es weiter, die hände halten nicht still bis ein klumpen in der schüssel liegt, der sich weder mit der schüssel noch mit den fingern der hände teilt. das geschaffene gebilde wird stolz aus der schüssel gehoben und auf eine stabile, mit mehl bestreute unterlage gelegt.
die schüssel aus dem weg geschafft, kneten die hände nun mit aller kraft genau fünf minuten lang. ungeübt fühlen sich die finger bald kraftlos, doch der teig wächst und reift schon jetzt mit jeder knetbewegung. behutsam und mit mehl bestreut wird das zukünftige brot in form gebracht, in folie verpackt gekühlt und über nacht sich selbst überlassen.

am nächsten morgen ist die folie gesprengt, doch dem teig zum glück nichts böses passiert. er ist gewachsen, hat sich von selbst mit luft gefüllt. was für eine schöne überraschung ! vorsichtig wird der teig nun gänzlich von der ihn noch umgebenden folie befreit, die das nächste mal doch deutlich großzügiger und luftiger um den teig gewickelt werden sollte. der letzte und wesentliche schritt, das backen, steht nun bevor: der teig, bereits auf backpapier und backblech liegend, wird ins gut geheizte rohr geschoben, ihm zuversichtlich viel glück gewunschen.
zur halbzeit erfolgt der erste blick aufs brot. das hat sich doch tatsächlich und zu meiner freude geformt und krusten bildet wie ich es auch von anderen broten kenne. die temperatur etwas zurückgenommen und noch etwas geduld !
so wartend macht sich das gefühl des brotbackens, wie ein ursprünglich und direkt das leben bejahender akt, wohligwarm im bauch bemerkbar. kurz kehrt ein moment der ruhe ein. kaum bemerkt ist der letzte rest der backzeit verstrichen und die ruhe schleunigst von aufregung und vorfreude abgewechselt: das brot muss raus !

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