Fridolin Knepp – Ansätze einer Personenbeschreibung

fridolin knepp ist zwischen 35 und 40 jahre alt, mindestens 1,85 groß, normal gebaut. er hat braunes haar, lang und kurz zugleich, dazu grüne augen, die manchmal blau aussehen (das liegt am licht und den farben rundherum). er trägt braune, dunkelgraue oder gänzlich ausgefallenen hosen, zumeist aus zart gemusterten stoffen. er mag das so — er mag es genauer hin sehen zu müssen um etwas zu entdecken, was von der entfernung nicht zu erahnen war. er mag auch farben, farbkombinationen; dezente und von zeit zu zeit auch sehr lebendige, die schon mal vor den kopf stoßen weil sie nicht zusammenpassen. fridolin bemerkt das zwar, doch er sieht länger hin und findet dann gefallen an diesen unstimmigkeiten, die neue fragen aufwerfen, herausfordern und ihn so zum schmunzeln bringen. was die anderen denken mögen, ist ihm dabei nicht so wichtig.

fridolin knepp sucht die wahrheit. er macht das nicht mit absicht, es ist so gekommen. schon als er kind war, hat er bemerkt, dass einiges nicht stimmt, dass einiges (wenn nicht sogar vieles) tiefer gelegen nicht so ist, wie es aussieht. seitdem fragt er sich wie er die wahrheit herausfinden kann und ist mittlerweile eine art spezialist in wahrheitsfindung geworden. (gelegentlich geht er damit seinen mitmenschen auf die nerven.)
wegen dieser leidenschaft, die ihm wie ein lebensnotwendiges bedürfnis erscheint, kann er beispielsweise äußerst gut beobachten. er hört gut zu und er läßt sich in der regel mit allen dingen sehr viel zeit. denn in der schnelligkeit verschwindet die wahrheit äußerst gerne und wenn er sich zeit läßt, ist er ihr in jedem fall schon einmal auf der spur.
so läuft fridolin manchmal durch die stadt, auf dem weg zur arbeit, auf dem weg zu freunden oder sonst wohin, frustriert von den lauten, aber nichtssagenden werbebotschaften, und übt sich darin, seinen blick genau in jene winkel zu lenken, die am leisesten, am unaufregendsten sind. was er dort entdeckt ist auch oft wahrheit.

fridolin quatscht gerne, er macht unsinn und lacht gerne. mit seinen beiden besten freunden praktiziert er das regelmäßig und allen dreien macht es freude. dieser unsinn kommt von seiner leidenschaft der wahrheitssuche. denn sein gehirn spinnt ständig an neuen zusammenhängen und fäden, die von inhalt zu inhalt, von form zu form und quer hindurch führen.
fridolin spinnt also gerne. er hatte glück und konnte das zu seinem beruf machen. er hat ideen und bekommt geld dafür. weil er sich mit der wahrheit halbwegs gut auskennt, versteht er viel von den sprachen, die die wahrheit verdecken, verdrehen und verstecken. das hilft ihm dabei schnell und ohne viel aufwand ideen zu produzieren, die sich seine auftraggeber wünschen. klar freut ihn das nicht sonderlich, aber andererseits kann er zur zeit gut davon leben.

fridolin wohnt in einer großstadt, ähnlich der, in der er aufgewachsen ist. diese erste große stadt in seinem leben hat er aber hinter sich gelassen. auch das war ein experiment zur findung der wahrheit. es sollte ihm neue sichtweisen ermöglichen und das ist ihm in viel mehr bereichen gelungen als er es erwartet hatte. vor kurzem ist er an den stadtrand gezogen. kaum noch als stadt erkennbar, wohnt er nun in einem kleinen haus mit garten und großen bäumen rundherum. dort ist er der natur auf der spur. eigentlich umgekehrt, die natur hat ihm eine spur gelegt und ihn dort hingeführt. denn eines tages, den scheinbar unspektakulären dingen folgend, landete seine aufmerksamkeit immer wieder in der natur. vergangenes frühjahr kam es dann so, dass er regelrecht berauscht war von der plötzlich sichtbaren, formalen vielfalt der blätter, der blüten, all dem grün, das wie auf befehl wuchs — so, dass es ihm beinahe unheimlich dabei wurde. er ärgerte sich regelrecht, dass er den kahlen zweigen nicht schon im winter genügend aufmerksamkeit geschenkt hatte, denn wie unterschiedlich müßten die denn erst ausgesehen haben !
in diesen tagen wurde ihm klar, dass er mit seiner stadt-vergangenheit beinahe eine ganze welt versäumt hatte und beschloß ehestmöglich ins grüne zu ziehen.

fridolin sammelt. zur zeit, wie könnte es anders sein, blätter. er hat nun ein herbarium. früher sammelte er speisekarten mit tippfehlern, postkarten, die vom falschen ort verschickt wurden, slogans aus werbeprospekten, trinksprüche, unterschiedlich geöffnete briefumschläge und etliches mehr. sein sammelinteresse wechselt häufig. das macht ihm aber nicht viel aus. er hat sich angewöhnt aus seinen alten sammlungen objekte zu bauen. vor drei jahren hatte er das glück diese objekte bei einer befreundeten galeristin auszustellen (sie mochte deren eigenartigkeiten sehr) und hat dabei auch noch einen kleinen haufen geld verdient, der es ihm ermöglicht hatte die großstadt zu wechseln.

so und ähnlich läuft fridolins leben nun seit einigen jahrzehnten und so schön es klingen mag, zufrieden und glücklich ist er zwar gelegentlich, aber nach seinem geschmack nicht oft genug. leider kann das weitere auch ich nicht vorwegnehmen, aber es ist klar, da wird noch einiges passieren müssen.

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